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23. Mai 2019 Die neue Arbeitswelt: Und wo bleibt der Mensch?

Die neue Arbeitswelt: Und wo bleibt der Mensch?

Buchautor Christoph Keese beobachtet, dass Menschen den Digitalen Wandel ausblenden. Er aber rät zur aktiven Veränderung – zum Handeln: „Der Entdecker benutzt die Technologie, um Ineffizienzen abzuschaffen.“ Das sagt der Wirtschaftsjournalist im Podcast-Interview mit Porsche Consulting.

Eine neue Studie der OECD (Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit) untermauert, dass mehr Aktivität wünschenswert wäre. Hiernach ist die Hälfte aller Arbeitnehmer nicht auf die Jobanforderungen der Zukunft vorbereitet und nicht dafür qualifiziert. Keese: „Grund ist der besondere Umstand, dass wir wohl die erste Generation in der Menschheits- und Wirtschaftsgeschichte sind, die von den Folgen der eigenen technologischen Erfindungen selbst noch eingeholt wird.“

Bosch – Der Wert der Unterschiedlichkeit

Bei einem Unternehmen wie Bosch ist Vielfalt per se ein Thema: 420.000 Mitarbeiter aus 150 Nationen beschäftigt der Konzern an 450 Standorten weltweit. Als Vice President Talent Acquisition und Diversity ist Heidi Stock die oberste Managerin dieser Vielfalt. „Diversity ist Wertschätzung von Unterschiedlichkeit. Und zwar nicht aus reinem Altruismus. Das ist ein Wirtschaftsfaktor", sagt Stock. Seitdem über Studien nachgewiesen wurde, dass Diversity einen entscheidenden Beitrag zur finanziellen Performance eines Unternehmens leisten kann, sei das Thema aus der sozialen Ecke herausgekommen. „Wir arbeiten bei Bosch in großen internationalen Projekten über die ganze Welt verstreut und da brauche ich sehr viele Kompetenzen, die vielfältige Teams gut zusammenschweißen und zu Höchstleistungen und Kreativität bringen.“

Bei alledem steht der wirtschaftliche Nutzen für das technologiegetriebene Unternehmen im Fokus: Wertschätzung wird verknüpft mit messbaren Zielen. So auch bei den aktuellen Themen wie beispielsweise der Arbeitsplatzgestaltung. Bis vor einigen Jahren kämpfte Stock noch für die Abschaffung der Präsenzkultur. „Heute wird überhaupt nicht mehr gefragt, wo jemand sitzt." Arbeitszeit und Arbeitsort haben sich bei Bosch schon weitgehend „verflüssigt“. Das steigert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben– für Frauen und Männer gleichermaßen.

Flughafen – Starten ohne Stress

Der Stuttgarter Flughafen rüstet sich für den Einsatz elektrisch angetriebener Lufttaxis als schnellem Zubringerdienst. „Wir wollen einer der ersten Airports sein, die den Flughafen und das Umfeld verbinden. Wir schauen schon, wo Lufttaxis starten und landen können“, sagt Dr. Arina Freitag, Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH im aktuellen Podcast-Interview mit Porsche Consulting. Die Managementberatung geht in ihrer Studie „Zukunft der Vertikalen Mobilität“ davon aus, dass erste Lufttaxis bereits im Jahr 2025 mit Passagieren starten könnten. Lufttaxis sind, so Dr. Freitag im Podcast, „eine zukunftsorientierte Entwicklung“.

Schon bevor das erste Lufttaxi vom Flughafen Stuttgart abhebt, soll es aber viele Verbesserungen im Flughafenbetrieb geben. So reagiert Dr. Freitag auf die vielen Flugausfälle und Verspätungen aus dem Sommer 2018.

Großbauprojekte – Klagen ist zwecklos

Es gibt kaum Großbauprojekte, bei denen die Beteiligten nicht vor Gericht ziehen. Der teure und zeitraubende Streit am Bau ist absolut überflüssig und bringt nichts – davon ist der Stuttgarter Jurist Dr. Wolfgang Breyer überzeugt. Obwohl aufwändige Prozesse für Anwälte lukrativ sein können, will Breyer verhindern, dass es zu Klagen kommt. Damit die Beteiligten – vom Bauherren über den Architekten bis zum Handwerker – nicht länger auf Konfrontation gehen und gegeneinander arbeiten, setzt Breyer auf neue Vertragsformen zur Prävention. Dass am Bau so viel gestritten würde, daran sei unter anderem die klassische Vertragsgestaltung und Vergabepraxis schuld, so Breyer: „Die Auftragnehmer am Bau werden durch die typischen Einzelverträge dazu gezwungen, strikt ihre eigenen Interessen zu verfolgen, nicht aber die Interessen des gesamten Projektes.“

Versicherungen im Umbruch

Die R+V Versicherung, Branchenzweiter in Deutschland, setzt weiterhin auf den Versicherungsberater vor Ort. Versicherungsvertreter hätten trotz Online-Portalen auch in Zukunft eine Chance, „wenn sie sich durch persönliche Beratungsqualität“ auszeichnen würden. Das sagt Jens Hasselbächer, Vertriebsvorstand der R+V Versicherung aus Wiesbaden im Podcast-Interview mit der Managementberatung Porsche Consulting. Der Vertriebsexperte mit langjähriger Erfahrung setzt auf die Mischung „persönlich und digital“. Hasselbächer: „Als Versicherer der genossenschaftlichen Finanzgruppe haben wir 1,3 Milliarden Onlinekontakte. Wir müssen auch Self-Services auf der digitalen Seite optimal anbieten.“ Darauf will sich die R+V beim Personal einstellen: Gebraucht werden vor allem Spezialisten in Technologie- und Prozessthemen. Neben der Digitalisierung will sich die R+V Versicherung durch neue Serviceleistungen für Geschäftskunden attraktiver machen: Mittelständischen Spediteuren bietet R+V jetzt neben Versicherungsverträgen eine kostenlose „Truck-Parking-App“ an. „Wir haben auch die Lkw-Fahrer im Blick. Sie sollen entlang der überfüllten Autobahnen schneller freie Parkplätze zum Beispiel zum Übernachten finden“, sagt Hasselbächer.