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15. August 2019 Brauchen Unternehmen überhaupt noch Pressearbeit?

Brauchen Unternehmen überhaupt noch Pressearbeit?

Wenn Unternehmen oder Organisationen heute an die Öffentlichkeit treten, dann brauchen Sie dazu immer seltener Pressemitteilungen. Vorbei ist auch die Ungewissheit, ob die vorbereiteten Botschaften von den Medien überhaupt aufgegriffen und veröffentlicht werden. Inzwischen kann jeder über die digitalen Kanäle der sozialen Medien selbst kommunizieren und seine Zielgruppe ohne Umwege direkt erreichen – in der gewünschten Form und Aufmachung, jederzeit und rund um den Globus. Die Akzeptanz ist erstaunlich hoch – insbesondere bei unkritischen, eher informativen Inhalten.

Geschäftsführer und Vorstände, die in die Öffentlichkeit treten möchten, müssten nicht mehr darauf warten, dass „die Bild Zeitung oder die FAZ anruft“, ein Interview vereinbart und dann auch noch „die richtigen Fragen stellt“, sagt ausgerechnet Kai Diekmann. Der Journalist war 16 Jahre Chef der Bild-Zeitung. Er hat die Seiten gewechselt, hilft inzwischen Menschen aus Wirtschaft und Politik, auf Kanälen wie Twitter, Linkedin und Instagram eine gute Figur zu machen und die gewünschte Zielgruppe möglichst treffsicher zu erreichen. Seine Dienste bietet er als digitaler „Ghostwriter“ für Persönlichkeiten an, bleibt selbst meist verdeckt im Hintergrund und hat für dieses Geschäft die Berliner Agentur Storymachine gegründet.

Mehr Gefühl für Mitarbeiter

Mitarbeiter in Unternehmen brauchen in der künftigen Arbeitswelt viel mehr Beachtung und Wertschätzung als traditionell üblich. Davon ist Dr. Hadi Saleh überzeugt. „Führungskräfte sollten mehr auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen“, sagt er im Podcast-Interview mit Porsche Consulting. Aus seinem früheren Beruf als Klinikarzt, der auch im Rettungsdienst arbeitete, bringt Saleh viel Empathie mit. Da er umgesattelt hat und heute Unternehmer ist, profitieren von seinem Feinsinn nun die Angestellten der CeramTec Gruppe mit Stammsitz in der Kleinstadt Plochingen (Baden-Württemberg). Beim Hersteller von Hochleistungskeramik ist Saleh Vorsitzender der Geschäftsführung. Er denkt über Mental-Trainer für seine Belegschaft nach – wie im Leistungssport. Und er hält einen Personalverantwortlichen mit psychologischer Ausbildung für noch wichtiger als einen Digital-Experten als Top-Führungskraft.

Künstliche Intelligenz – besser als der Doktor?

„Künstliche Intelligenz kann manche Dinge besser erledigen als der Doktor. Da darf man sich als Mediziner nicht beleidigt in die Ecke zurückziehen“, sagt Professor Dr. Dr. Friedhelm Beyersdorf im aktuellen Podcast-Interview mit Porsche Consulting. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg und Bad Krozingen plädiert für mehr Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Dem renommierten Chirurgen geht es dabei vor allem um die „optimale Verbindung und Vernetzung von Informationen zu Krankheitsbildern“. Gemeint ist vor allem ein besserer Informationsfluss im Krankenhaus – zum Beispiel von Fachbereich zu Fachbereich.

Der Austausch von Daten, die für die Behandlung dringend benötigt werden, koste Ärzten und medizinischen Personal in den Krankenhäusern noch viel zu viel Zeit und Energie – Kapazitäten, die eigentlich für die Betreuung der Patienten eingesetzt werden sollten, so Beyersdorf. Während er sich und seine Kollegen bei Daten gern durch digitale Technologien entlasten würde, hält er auch langfristig keine vollständige Ablösung des Arztes durch Roboter für realistisch: „In einem so sensiblen Bereich wie der Gesundheit und des Lebens brauche ich als Patient jemanden, dem ich vertraue“, sagt Beyersdorf und fügt hinzu: „Der Mensch muss der Chef im Ring sein. Und das bleibt auch so.“

Ohne Jetlag um die Welt?

Langstrecken-Flüge ohne Jetlag – ist das möglich? Das fragte sich Lufthansa-Pilotin Dr. Tanja Becker nach so manchem Cockpit-Einsatz im Airbus A340 oder A330. Nach ihrer Promotion zum Thema Jetlag am schlafmedizinischen Zentrum der Berliner Charité nutzte sie ihre Forschungsergebnisse über die innere Uhr für eine clevere Geschäftsidee. Gemeinsam mit drei Kollegen gründete die Mutter zweier Kinder 2017 in Hamburg das Start-up Jetlite – sozusagen im Zweitberuf. Wie sie den Reisenden helfen will? Mit speziellen Leuchten an Bord.

„Licht ist der wichtigste Zeitgeber für den Menschen“, so Becker. Durch den genau geplanten Einsatz von blauem oder rotem Licht in der Passagierkabine fördert Jetlite, dass sich der Körper bereits im Flug auf die neue Zeitzone am Zielort einstellen kann. „Blaues Licht senkt die Melatonin-Produktion im Körper herab und dadurch fühlen wir uns wacher und aktiver“, erklärt Becker. Das funktioniert nicht nur über den Wolken: Ein Pilot-Projekt mit Porsche zeigt, wie Licht auch bei Mitfahrern im Auto für mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auf längeren Touren sorgen kann.

Die neue Arbeitswelt: Und wo bleibt der Mensch?

Buchautor Christoph Keese beobachtet, dass Menschen den Digitalen Wandel ausblenden. Er aber rät zur aktiven Veränderung – zum Handeln: „Der Entdecker benutzt die Technologie, um Ineffizienzen abzuschaffen.“ Das sagt der Wirtschaftsjournalist im Podcast-Interview mit Porsche Consulting.

Eine neue Studie der OECD (Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit) untermauert, dass mehr Aktivität wünschenswert wäre. Hiernach ist die Hälfte aller Arbeitnehmer nicht auf die Jobanforderungen der Zukunft vorbereitet und nicht dafür qualifiziert. Keese: „Grund ist der besondere Umstand, dass wir wohl die erste Generation in der Menschheits- und Wirtschaftsgeschichte sind, die von den Folgen der eigenen technologischen Erfindungen selbst noch eingeholt wird.“

Bosch – Der Wert der Unterschiedlichkeit

Bei einem Unternehmen wie Bosch ist Vielfalt per se ein Thema: 420.000 Mitarbeiter aus 150 Nationen beschäftigt der Konzern an 450 Standorten weltweit. Als Vice President Talent Acquisition und Diversity ist Heidi Stock die oberste Managerin dieser Vielfalt. „Diversity ist Wertschätzung von Unterschiedlichkeit. Und zwar nicht aus reinem Altruismus. Das ist ein Wirtschaftsfaktor", sagt Stock. Seitdem über Studien nachgewiesen wurde, dass Diversity einen entscheidenden Beitrag zur finanziellen Performance eines Unternehmens leisten kann, sei das Thema aus der sozialen Ecke herausgekommen. „Wir arbeiten bei Bosch in großen internationalen Projekten über die ganze Welt verstreut und da brauche ich sehr viele Kompetenzen, die vielfältige Teams gut zusammenschweißen und zu Höchstleistungen und Kreativität bringen.“

Bei alledem steht der wirtschaftliche Nutzen für das technologiegetriebene Unternehmen im Fokus: Wertschätzung wird verknüpft mit messbaren Zielen. So auch bei den aktuellen Themen wie beispielsweise der Arbeitsplatzgestaltung. Bis vor einigen Jahren kämpfte Stock noch für die Abschaffung der Präsenzkultur. „Heute wird überhaupt nicht mehr gefragt, wo jemand sitzt." Arbeitszeit und Arbeitsort haben sich bei Bosch schon weitgehend „verflüssigt“. Das steigert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben– für Frauen und Männer gleichermaßen.

Flughafen – Starten ohne Stress

Der Stuttgarter Flughafen rüstet sich für den Einsatz elektrisch angetriebener Lufttaxis als schnellem Zubringerdienst. „Wir wollen einer der ersten Airports sein, die den Flughafen und das Umfeld verbinden. Wir schauen schon, wo Lufttaxis starten und landen können“, sagt Dr. Arina Freitag, Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH im aktuellen Podcast-Interview mit Porsche Consulting. Die Managementberatung geht in ihrer Studie „Zukunft der Vertikalen Mobilität“ davon aus, dass erste Lufttaxis bereits im Jahr 2025 mit Passagieren starten könnten. Lufttaxis sind, so Dr. Freitag im Podcast, „eine zukunftsorientierte Entwicklung“.

Schon bevor das erste Lufttaxi vom Flughafen Stuttgart abhebt, soll es aber viele Verbesserungen im Flughafenbetrieb geben. So reagiert Dr. Freitag auf die vielen Flugausfälle und Verspätungen aus dem Sommer 2018.

Großbauprojekte – Klagen ist zwecklos

Es gibt kaum Großbauprojekte, bei denen die Beteiligten nicht vor Gericht ziehen. Der teure und zeitraubende Streit am Bau ist absolut überflüssig und bringt nichts – davon ist der Stuttgarter Jurist Dr. Wolfgang Breyer überzeugt. Obwohl aufwändige Prozesse für Anwälte lukrativ sein können, will Breyer verhindern, dass es zu Klagen kommt. Damit die Beteiligten – vom Bauherren über den Architekten bis zum Handwerker – nicht länger auf Konfrontation gehen und gegeneinander arbeiten, setzt Breyer auf neue Vertragsformen zur Prävention. Dass am Bau so viel gestritten würde, daran sei unter anderem die klassische Vertragsgestaltung und Vergabepraxis schuld, so Breyer: „Die Auftragnehmer am Bau werden durch die typischen Einzelverträge dazu gezwungen, strikt ihre eigenen Interessen zu verfolgen, nicht aber die Interessen des gesamten Projektes.“

Versicherungen im Umbruch

Die R+V Versicherung, Branchenzweiter in Deutschland, setzt weiterhin auf den Versicherungsberater vor Ort. Versicherungsvertreter hätten trotz Online-Portalen auch in Zukunft eine Chance, „wenn sie sich durch persönliche Beratungsqualität“ auszeichnen würden. Das sagt Jens Hasselbächer, Vertriebsvorstand der R+V Versicherung aus Wiesbaden im Podcast-Interview mit der Managementberatung Porsche Consulting. Der Vertriebsexperte mit langjähriger Erfahrung setzt auf die Mischung „persönlich und digital“. Hasselbächer: „Als Versicherer der genossenschaftlichen Finanzgruppe haben wir 1,3 Milliarden Onlinekontakte. Wir müssen auch Self-Services auf der digitalen Seite optimal anbieten.“ Darauf will sich die R+V beim Personal einstellen: Gebraucht werden vor allem Spezialisten in Technologie- und Prozessthemen. Neben der Digitalisierung will sich die R+V Versicherung durch neue Serviceleistungen für Geschäftskunden attraktiver machen: Mittelständischen Spediteuren bietet R+V jetzt neben Versicherungsverträgen eine kostenlose „Truck-Parking-App“ an. „Wir haben auch die Lkw-Fahrer im Blick. Sie sollen entlang der überfüllten Autobahnen schneller freie Parkplätze zum Beispiel zum Übernachten finden“, sagt Hasselbächer.